Budapest ist die größte Jüdische Gemeinschaft
des Landes und in Mitteleuropa; hier lebt die überwiegende
Mehrheit der ungarischen Juden. In der Stadt sind 23 Synagogen
und Gebetshäuser, zwei Hochschulen, drei Mittelschulen, drei
Kindergärten, ein Krankenhaus, zwei Altersheime und mehrere
Friedhöfe anzutreffen. Hier finden sich auch die Landeszentralen
jüdischer Einrichtungen. Doch schauen wir uns einmal um, was
man unbedingt an Eindrücken von der jüdischen Gemeinde
mitnehmen sollte, die in Ungarn seit dem 3. Jahrhundert in ungezählten
Formen Präsenz zeigte und das Stadtbild prägte.
Die Vielzahl der Sehenswürdigkeiten versorgt Interessenten
mit Sehenswertem für drei Spaziergänge.
1. Spaziergang - Das Gelände des einstigen Ghettos
Die mit Sicherheit meisten und interessantesten Sehenswürdigkeiten
der ungarischen jüdischen Geschichte und Kultur findet man
in der Dohány utca und ihrer unmittelbaren Umgebung.
Die Synagoge - deren Bau im Jahre 1854 begann - stellt mit ihren
3.000 Sitzplätzen gegenwärtig das größte derartige
Gebäude in Europa und das zweitgrößte in der Welt
dar. Die vor wenigen Jahren herrlich wiederhergestellte neologe
Kirche gilt als eines der Hauptwerke der romantischen Architektur
im byzanthinisch-morischen Stil. In ihrer nächsten Nachbarschaft
wurden das Ungarische Jüdische Museum eingerichtet und der
Heldenfriedhof angelegt, an dessen Ende man auf das Ghetto-Denkmal
trifft, das mit einer erhalten gebliebenen Mauer des Ghettos an
die Vergangenheit erinnert. Hier findet sich das Holocaust-Denkmal
der Emanuel-Stiftung, eine Trauerweide aus Metall, die auf jedem
Blatt den Namen eines Märtyrers verewigt. Nur einen Steinwurf
von der Dohány utca entfernt befindet sich in der Kazinczy
utca das einzige rituelle Bad von Budapest, das den religiösen
Vorschriften entsprechend mit "lebendigem Wasser" (Wasser
natürlichen Ursprungs und nicht aus der Leitung) betrieben
wird.
2.
Spaziergang - Weitere Teile von Pest
Nach dem Verlassen des einstigen Ghetto-Gebiets kann man am Donauufer
eine Reihe von Gedenktafeln betrachten. Sie erinnern sämtlichst
an die jüdischen Opfer des II. Weltkrieges. Die berühmtesten
unter ihnen setzen zwei Nichtjuden ein Denkmal: dem schwedischen
Diplomaten Raoul Wallenberg sowie dem italienischen Menschenfreund
Giorgio Perlasca, die während des II. Weltkrieges das Leben
tausender Juden retteten. Im Vergleich dazu ist es ein weniger
erschütterndes Ereignis, in der Östlichen Sammlung der
Bibliothek in der Ungarischen Akademie der Wissenschaften Hebraica
zu besichtigen. Hier wird außerdem die weltberühmte
Kaufmann-Sammlung aufbewahrt. Im ungarischen Nationalmuseum wiederum
sind originale jüdische Grabsteine aus der Römerzeit
zu sehen. Und wer dafür Interesse zeigt, sollte unbedingt
die Tüzér utca aufsuchen, wo noch immer die Matzenbäckerei
anzutreffen ist, in der noch heute die Ostermatzen gebacken werden.
3. Spaziergang - Jüdische Sehenswürdigkeiten auf der
Budaer Seite
Die Budaer Seite ist relativ ärmer an jüdischen Denkmälern
- was natürlich nur im Vergleich zu Pest gilt. Auf jeden Fall
sollte man jedoch die Budaer Burg aufsuchen - die Sie hoffentlich
ohnehin nicht auslassen wollten! -, wo sich eine Synagoge aus dem
Mittelalter verbirgt, die im Verlauf archäologischer Ausgrabungen
(1964) entdeckt wurde. Heute dient ein Teil davon als Staatliches
Museum, während der Rest wieder vergraben wurde. Hier werden
ein Jüdisches Gedenkarchiv und ein Lapidarium gezeigt. Ebenfalls
auf der Burg, im Budapester Historischen Museum, sind zwei Marmorgrabsteine
aus dem 13. Jahrhundert zu sehen.
Wer sich satt gesehen hat an den Sehenswürdigkeiten, für
kulturelle Delikatessen jedoch noch immer ein Ohr hat, sollte sich
nicht die weltberühmte Budapest Klezmer Band oder die Gruppe
Vodku v Glotku mit jüdischer Kneipenmusik aus Odessa entgehen
lassen. Vom 26. August bis zum 2. September wird das bereits traditionelle
Jüdische Sommerfestival veranstaltet, das den Besuchern eine
unendliche Zahl kultureller Programme bietet.