Allerorten auf dieser Welt können wir Ungarn begegnen. Wenn
schon nicht persönlich, so doch gewiss über ihre Erfindungen
und ihr Lebenswerk. Überall werden alltägliche Gegenstände
verwendet, von denen die meisten Menschen gar nicht wissen, dass
sie von Ungarn erfunden wurden oder durch Ungarn Bekanntheit erlangten.
Wir haben uns daran gewöhnt, daheim und im Büro, im Auto
oder im Zug von Bequemlichkeit umgeben zu sein, ohne uns Gedanken über
den Ursprung unseres heutigen Wohlstands zu machen. Dabei lohnt
sich ein Rückblick auf jene Erfinder, denen wir unter anderem
den Kugelschreiber, die Glühbirne oder die Filmkamera zu verdanken
haben. Im Verkehr muss an erster Stelle der Name Kálmán
Kandó erwähnt werden, der als Erfinder und Umsetzer
der Idee bekannt ist, die Elektrische im Phasenwechsel anzutreiben.
Seine Erfindung wurde zuerst in Italien genutzt: Hier wurde die
weltweit erste nach der Methode von Kálmán Kandó elektrifizierte
Eisenbahnstrecke errichtet. Ein weiterer Revolutionär im Verkehrswesen
war Donát Bánki, der einen bis heute unverzichtbaren
Ersatzteil von Fahrzeugen, den Vergaser, entwickelte. Seine Erfindung
wurde auf der Weltausstellung 1900 in Paris vorgestellt. Mit dem
Namen József Galamb ist die Realisierung der Massenfertigung,
mit dem von György Jendrassik die Erfindung von Diesel- und
Gasturbinen mit geringem Leistungsausstoß und Gewicht sowie
von Motorzügen und Schienenfahrzeugen, die mit eigenentwickelten
Motoren angetrieben werden, verbunden.
Erster
Herrscher der Lüfte war ganz gewiss Dávid Schwarcz
- wenngleich das Zeitalter der Luftschifffahrt nicht mit seinem
Namen in Verbindung gebracht wird. Dabei entwickelte Schwarcz das
aus Aluminium hergestellte Luftschiff, das schließlich durch
Zeppelin Weltruhm erlangte. Der ungarische Erfinder erlebte den
erfolgreichen Probeflug nicht mehr; sein Werk wurde durch Zeppelin
vollendet - nachdem dieser die Pläne von der Witwe gekauft
hatte. Auch Tibor Kármán versuchte sich in den Lüften:
Er war einer der tonangebenden Forscher auf den Gebieten des Fliegens
oberhalb der Schallgeschwindigkeit und der modernen Raketentechnologie.
Im Bereich der Grundlagenforschung schuf neben anderen Ányos
Jedlik bleibende Werte: Er baute noch vor Siemens einen Dynamo-Elektromotor,
und mit seinem Namen sind auch die Pläne für eine Maschine
zur Erzeugung von Sodawasser verbunden. József Eötvös
wurde mit dem nach ihm benannten Pendel weltberühmt, das beispielsweise
in der Ölforschung große Fortschritte brachte. János
Neumann legte die Grundlagen der Rechentechnik nieder, unter anderem
mit seiner berühmten Schlussfolgerung, dass das Gehirn nicht
die Sprache des Computers verwendet. János György Kemény
passte diesem Gedankengang die durch ihn entwickelte Programmiersprache
BASIC an. Albert Szent-Györgyi erhielt den Nobelpreis für
die Formel der Hexuronsäure und das C-Vitamin, welches seither
weltweit in tausenden Varianten erhältlich ist. Leó Szilárd,
Schöpfer der Pläne für den Atomreaktor, hätte
nie gedacht, dass seine Erfindung einst zu kriegerischen Zwecken
verwendet wird. Im Jahre 1940 sandte er die Beschreibung des Atomreaktors
an die Physical Review; das Patent wurde später für einen
Dollar von der Regierung der Vereinigten Staaten erworben. Das
eingangs des 20. Jahrhunderts eine bürgerliche Entwicklung
durchlaufende Ungarn konnte immer wieder neue Gebrauchsgegenstände
genießen. János Irinyi beglückte die Haushalte
mit dem Streichholz und machte damit die Nutzung offenen Feuers
sicherer.
Tivadar
Puskás brachte die Menschen einander näher, indem er
die Telefonzentrale erfand und später den Ahnen des heutigen
Kabelfernsehens, den Telefon-Nachrichtenmelder, während die
Menschen den Weltempfänger Dezsõ Korda zu verdanken
haben. Er erfand nämlich den Drehkondensator, der eine ständige
Sendersuche ermöglichte. Die Glühbirne ist Ergebnis der
Arbeit von Forschern des Tungsram-Labors, namentlich Sándor
Just, Ferenc Hanaman und Imre Bródy. Auch die halbautomatischen
Fotoapparate und Filmaufnahmegeräte wurden zuerst von Ungarn
- József Mihályi und Ödön Riszdorfer -
geschaffen. Den von Mihályi gefertigten Fotoapparat Super
Kodak Six 20 präsentierte man auf der New Yorker Weltausstellung
von 1939. Ebenfalls ungarische Erfindungen sind der Diaprojektor
und der nicht entzündbare Film. Mit dem Namen Ottó Bláthys
ist die Erfindung des Verbrauchszählers, der Stromuhr verbunden.
Gemeinsam mit anderen entwickelte er im Übrigen auch den Transformator.
Dénes Mihály ist Erfinder des Tonfilms und des Vorgängers
des Fernsehens, wie auch der erste in der Praxis verwendete Farbfernseher
einen ungarischen Wissenschaftler zum Vater hat: Péter Károly
Goldmark, dessen Name obendrein für das Abspielgerät
von Langspielplatten steht. Und selbst das Stereoradio darf als
ungarische Erfindung betrachtet werden. Den Kugelschreiber ließ
László József Bíró patentieren, Dávid
Gestetner machte Vervielfältigungspapier für die Druck- und
Photoindustrie geläufig und Dénes Gábor gilt als
Erfinder der Holographie. Die Aufzählung ließe sich noch
lange fortsetzen, denn auf allen Gebieten der Geschichte, der Wissenschaften
und der Kunst finden wir herausragende Ungarn. Wir hätten auch
die Namen der Großen der ungarischen Musik wie Kodály oder
Bartók, oder unserer ausgezeichneten Dichter, darunter Sándor
Petõfi und Attila József, aufzählen können,
und sicher hätten auch István Széchenyi und Lajos
Kossuth einige Worte verdient. Der Platz ist jedoch knapp, so dass wir
uns auf die Vorstellung der Erfinder beschränken mussten, denn
wahrscheinlich sind sie es, über die im Allgemeinen weniger gesprochen
wird. Und das, obgleich wir tagtäglich mit den großen Entdeckungen
ihres Lebens konfrontiert werden.