Auch wenn Ungarn stolz auf eine Hauptstadt mit einzigartiger Lage verweisen kann, sollte sich der erstmals im Lande eintreffende Tourist vergegenwärtigen, dass dieses Land nicht einfach mit Budapest gleichzusetzen ist. Schon ein von hier aus organisierter Tagesausflug verspricht großartige Erlebnisse. Längs der Donau lockt eine Vielzahl größerer und kleinerer Städte ebenso wie die schöne Natur die Reisenden an. Bei diesem Reichtum an Sehenswürdigkeiten bleibt uns nichts weiter übrig, als ein paar Orte hervorzuheben, die man auf keinen Fall auslassen sollte.
Naturschätze
Da wäre sogleich das Donauknie zu nennen. In diesem Landstrich bricht sich der Wasserlauf zwischen den Gipfeln des Pilis-Gebirges und der Visegráder Berge mit einem Richtungswechsel im rechten Winkel eine neue Bahn gen Süden. Dieses Bild ist dermaßen beeindruckend, dass diese Landschaft zusammen mit der mittelalterlichen Burg von Esztergom und dem Königssitz des Mittelalters von Visegrád auf der Anwärterliste des Weltkulturerbes zu finden ist. Die Schätze der Natur setzen sich aus schön gepflegten Parkwäldern, Wildreservaten, natürlichen Raritäten, Erholungsorten am Flussufer, Inseln und Gelegenheiten für Wasser- und Wintersportler zusammen.
Ein unvergessliches Erlebnis beschert das Arboretum von Vácrátót, das den größten Botanischen Garten des Landes darstellt und zur gleichen Zeit die artenreichste Pflanzensammlung Ungarns ist – auf einem Gelände von 29 Hektar werden annähernd 13.000 Pflanzen gezeigt. Die Besucher können sich im Schatten von 3.100 Bäumen und hochgewachsenen Sträuchern mal wie in den Laubwäldern Ostasiens und dann wieder wie inmitten der Nadelgehölze Nordamerikas fühlen.
Der Wildpark Budakeszi präsentiert im nordwestlichen Zipfel der Hauptstadt auf knapp 26 Hektar das waldnahe Umfeld der in Ungarn und Europa heimischen Wildtiere. Neben dem Wild erwartet ein stimmungsvoller Ausflugs- und Erholungspark mit regelmäßigen Programmofferten seine Gäste.
Am südlichen Ende von Budapest beginnt sie und auf einer Länge von nahezu 50 Kilometern streckt sich die größte Donauinsel, die Csepel-Insel, Richtung Süden. Hier schlug der Stamm Árpáds zur Zeit der Landnahme der Magyaren die ersten Zelte auf. Ihren Namen erhielt sie nach dem Stallknecht Árpáds, Csepel. Das Land auf der Insel bildete einst das Terrain für einen Königlichen Wildgarten. Die Insel wird durch wildromantische Überschwemmungswälder und im Toten Donauarm bei Ráckeve durch weit ausgedehnte Schilfgürtel eingerahmt, die von weither erfolgshungrige Angler anlocken.
Strandbäder, Bäder
Wem die Donau nicht Wasser genug ist, bzw. wer die Segnungen des erfrischenden Elements hautnah erleben möchte, dem können wir ein paar der in dieser Gegend ungezählten Bäder und Strandbäder empfehlen.
An erster Stelle sei beispielsweise die Esztergomer Aquasziget als kombiniertes Thermal-, Heil- und Erlebnisbad genannt. Die Heißwasserquellen von Esztergom schießen als mit Heißwasser vermischtes Karstwasser in der Nähe der Stadt an die Oberfläche, wobei ihre Temperatur ungefähr 29°C erreicht.
Reichhaltige Eindrücke verspricht das kürzlich modernisierte Strand- und Thermalbad von Léanyfalu, das mit Warmwasser-Erlebnisbecken, Heilbecken, Schulschwimmbad und Strandbad planschlustige Gäste willkommen heißt. Auch in der Hauptstadt der Csepel-Insel, in Ráckeve, müssen die Wasserratten nicht ohne Erlebnisbad auskommen, wurde das Thermal- und natürliche Mineralwasser der Gegend doch 2007 zum Heilwasser erklärt und wird seither im neu errichteten Bäderkomplex Aqualand genutzt. Die Kombination von Erlebnisbecken garantiert den Kindern ebenso wie Freunden einer Verwöhnkur oder Besuchern, die sich einfach nur entspannen und auflockern wollen, gleichermaßen großartige Erlebnisse. Mit Heilbad und Freizeitzentrum steht u. a. auch Cegléd seinen Gästen offen, während der in der Nähe von Dunaharaszti gelegene Rukkel-See mit einem Erlebnispark für Unterhaltung sorgt.
Burgen und Schlösser
Wer höher hinaus oder mehr Glanz sehen will, der sollte eine(s) der historischen Burgen oder Schlösser aufsuchen, denn auch davon gibt es in diesem Landstrich zur Genüge.
Am rechten Ufer der Donau ragt ein gut fünfzig Meter großer und zerklüfteter Felsvorsprung gen Himmel, den die Burg von Esztergom krönt, die eine herausragende Bedeutung in der ungarischen Geschichte des Mittelalters spielte. Die im 10. Jahrhundert erbaute Burg war lange Zeit Königssitz. Im südlichen Teil der Burg finden sich ein Burgtheater, das Esztergomer Burgmuseum des ungarischen Nationalmuseums sowie ein Panoptikum.
In Visegrád wurde auf dem Bergrücken, der sich über die Donau erhebt, in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts eine römische Festung mit Namen Pone Navata errichtet. Nach dem Abzug der Römer blieb das Gebäude unbewohnt. Zur Zeit der ungarischen Staatsgründung wurden die Mauern ausgebessert, woraufhin der Komitatsgespan hier einzog. Damals erhielt die Burg den Namen Visegrád. Sie wurde zur Zeit des Tatarenfeldzugs zerstört; ihre Ruine ist bis heute zu sehen. Auf dem Gipfel des Burgbergs wurde nach dem Tatarenfeldzug die neue Burg erbaut (die heutige Oberburg). Vermutlich wurden schon zur Zeit der Regentschaft des Anjou-Geschlechts die ungarischen Krönungsutensilien in der Oberburg von Visegrád aufbewahrt. Während der Belagerung durch die Türken wurde die Burg dermaßen beschädigt, dass sie nicht länger für militärische Zwecke in Frage kam. Seither ist sie eine Ruine. Die den Teil der Oberburg mit der unten fließenden Donau verbindenden Staumauern, die Schutztore für die einst über diese Mauern führende Landstraße und der große Wohnturm (der fälschlicherweise nach dem ungarischen König aus dem 11. Jahrhundert als Salamon-Turm bezeichnet wird) entstanden Mitte des 13. Jahrhunderts. Die Rekonstruktionsarbeiten für den während der Türkenzeit ebenfalls schwer beschädigten Wohnturm wurden Mitte des 19. Jahrhunderts begonnen, wobei er seine heutige Form im Zuge einer modernistischen Rekonstruktion erhielt, die in der Mitte des 20. Jahrhunderts vollzogen wurde. Heute sind in dem Wohnturm die Ausstellungen des König-Matthias-Museums zu besichtigen.
Erbauer des Königsschlosses zu Gödöll?, eines der bedeutendsten und auch in den Ausmaßen imposanten Ensembles denkmalgeschützter Bauten der ungarischen Schlossarchitektur, war Graf Antal Grassalkovich. Königin Elisabeth (Sisi) hielt sich sehr gerne in Gödöll? auf, wo sie von ihrer ungarischen Hofgesellschaft mit großer Liebe bedacht wurde – nach ihrem tragischen Tod wurde im Anschluss an den Obergarten des Schlosses ein Gedenkpark eingerichtet. Der Originalzustand und das einstige Leben an diesem substanziell ausgezeichnet erhaltenen Schloss widerspiegeln getreu die Einrichtungsgegenstände und Prunkstücke der im Rahmen einer ständigen Ausstellung zu besichtigenden Zimmer und Räume. Das Schloss wird durch einen schönen Park umgeben.
Das imposanteste Gebäude von Ráckeve ist das wiederhergestellte Savoyen-Schloss. Das bombastische Schloss ließ Prinz Eugen von Savoyen erbauen. Die Arbeiten wurden 1702 aufgrund von Bauplänen von Johann Lucas Hildebrandt begonnen. Das nach knapp zwei Jahrzehnten Bauzeit fertiggestellte Schloss war das erste ungarische Gebäude der profanen Barockarchitektur. Die in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts eingeleitete Rekonstruktion stützte sich in Ermangelung von Entwürfen aus der Bauzeit auf Analogien und überlieferte Elemente. Im repräsentativen Inneren des als schöpferische Wirkungsstätte konzipierten Schlosses reihen sich heute Konferenzen, Konzerte und andere Veranstaltungen aneinander. Das Schloss kann nach Anmeldung besucht werden.
Landschaftshäuser, Museen, Skansen
Freunde der anspruchsvollen Kulturerlebnisse können ihre Wegstrecke von Museum zu Museum planen – sie werden drinnen wie draußen garantiert abwechslungsreiche Unterhaltung finden. Zahlreiche Orte von Nagybörzsöny bis Zsámbok haben ein Dorfmuseum oder Landschaftshaus.
Die bedeutendste Sammlung dieser Art in der Gegend findet sich ganz zweifellos im Skansen von Szentendre. Das Freilichtmuseum zeigt die Volksbaukunst der für Ungarn typischen Landstriche, die Wohnkultur und Lebensweise verschiedener Schichten und Gruppen der Bevölkerung auf dem Lande und in Marktflecken anhand traditioneller Gemeindetypen vom Ende des 18. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Auf dem 60 Hektar umfassenden Museumsgelände können auf 5 km langen, ausgebauten Spazierwegen insgesamt 247 verschiedene Gebäude – Wohnhäuser, Ställe, Kirchen, Werkstätten und Gaststätten etc. – besichtigt werden, die thematisch nach 7 Landschaftstypen gegliedert wurden. Ab April dieses Jahres wird auch eine Skansen-Bahn durch die musealen Landstriche dampfen.
Wer auf extravagante Dinge aus ist, dem empfehlen wir in Galgamácsa das Haus der naiven Malerin Juli Dudás, in Cegléd das Museum für Sportgeschichte und Schlagzeuge oder in Diósd das Museum zur Präsentation der Geschichte von Radio und Fernsehen.
Ein besonders außergewöhnliches Erlebnis verspricht der Besuch in dem am äußersten südlichen Ende der Csepel-Insel gelegenen Ort Szigetbecse, dessen größter Stolz sein Sohn André Kertész, der weltberühmte Fotograf ist. Kertész verbrachte hier einen Großteil seiner Kindheit und begann ebenfalls hier mit dem Fotografieren. Nach seinem Tode 1985 gelangten dank seines Testaments zahlreiche Arbeiten und persönliche Gegenstände hierher, so dass im Ort ein Gedenkzimmer zu Ehren des großen Sohnes eingerichtet wurde.